Medikamente und Darmflora

Unsere Darmflora spielt eine wichtige Rolle bei der Produktion von Vitaminen, Enzymen und anderen Komponenten, die die aufgenommene Nahrung abbauen und verdauen.

Das Mikrobiom des Verdauungstrakts wird inzwischen sogar als ein eigenes Organ verstanden, mit einem bemerkenswert komplexen Ökosystem. Die Zusammensetzung der Mikrobiota ist aber nicht als statisch anzusehen, sondern verändert sich in der Zeit als Folge einer großen Zahl von wirt- und umweltbedingten Faktoren. Pharmakologische Eingriffe wie beispielsweise eine Antibiotikatherapie sind bekannt dafür, dass sie das Gleichgewicht des Mikrobioms stören können. Doch es sind nicht nur die Antibiotika und sie sind auch nicht die schlimmsten Feinde des Mikrobioms!

Studie

Erstmals wurde nun eine systematische metagenomische Analyse veröffentlicht von insgesamt 207 intrinsischen und exogenen Faktoren, die bei der Entstehung einer Dysbiose eine Rolle spielen können (1). Die Untersuchung verwendete zu diesem Zweck die Daten von 1.179 Teilnehmern aus der großen niederländischen LifeLines-DEEP-Studie von 2015 (2). Die Forscher testeten den Einfluss von 20 übergeordneten Faktoren auf das Mikrobiom der Teilnehmer, darunter 44 verschiedene Kategorien von Medikamenten.

Ergebnis

Wie zu erwarten war die Verwendung von Antibiotika signifikant mit der Zusammensetzung des Mikrobioms assoziiert. Aber auch und gerade die PPIs (Protonenpumpenhemmer), Antidepressiva, Statine und andere häufig verschriebene Medikamente hatten einen messbaren Einfluss auf die Darmflora. Folglich haben derartige Medikamente auch darauf einen Einfluss, wie die Mikrobiota des Verdauungstrakts Widerstand leisten kann gegen Darminfektionen. Förderlich oder hemmend auf Entzündungsprozesse wirken oder wie sie den Stoffwechsel des Wirtes verändern. So sind speziell PPIs, die zu den 10 weltweit am häufigsten verwendeten Medikamenten zählen, nunmehr klar deklariert, dass sie den absolut stärksten Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora ausüben.

Erstmals genauer untersucht wurde dies kürzlich an 70 eineiigen und somit erbgleichen Zwillingen. Von denen jeweils einer das Medikament nahm und der andere nicht. Die Ergebnisse waren eindeutig (3). Die Gesamtmenge an Bakterien im Dickdarm ging infolge der Einnahme von PPIs signifikant zurück. Zugleich verringerte sich die mikrobielle Diversität im Colon, ein Fakt der speziell im Alter zu großen Problemen führt. Im Dünndarm, Magen und Mundraum kam es zwar zu einer Vermehrung der vorhandenen Bakterien, insbesonders der Streptokokken, unter denen viele Krankheitserreger zu finden sind. Schon davor war bereits vermutet worden, dass PPIs unter anderem so pathogene Keime wie Clostridium difficile in ihrer Ausbreitung fördern können (4). Hier fand sich nun die experimentelle Bestätigung dieses Zusammenhangs mit hoher empirischer Aussagekraft. Erklärt wird dieser Effekt durch die Reduktion des pH-Wertes im Magen, der im Normalfall eine wichtige Barriere gegen das Eindringen von Fremdkeimen in den Körper darstellt.

Fazit

In Anbetracht des weit verbreiteten Einsatzes von PPIs und Antibiotika, der erhöhten Morbidität sowie Mortalität, die mit Darminfektionen einhergeht und der steigenden Zahl an Studien über deren Schäden am Mikrobiom sollten sich Gesundheitsexperten und Wissenschaftler vermehrt des Einflusses von Medikamenten auf die Darmflora bewusst werden.

 

Literatur:
1.       Zhernakova A, Kurilshikov A, Bonder MJ, et al. Population-based metagenomics analysis reveals markers for gut microbiome composition and diversity.
          Science 2016;352:565-9.
2.       Tigchelaar EF, Zhernakova A, Dekens JA, et al. Cohort profile: LifeLines DEEP, a prospective, general population cohort study in the northern
          Netherlands: study design and baseline characteristics. BMJ Open 2015;5:e006772.
3.       Jackson MA, Goodrich JK, Maxan ME, et al. Proton pump inhibitors alter the composition of the gut microbiota. Gut 2016;65:749-56.
4.       Kwok CS, Arthur AK, Anibueze CI, et al. Risk of Clostridium difficile infection with acid suppressing drugs and antibiotics: meta-analysis.
          Am J Gastroenterol 2012;107:1011-9.

Katja
Katja

Katja liebt Reisen und ihre Katzen. Den gesunden Lebensstil hat sie erst vor gut drei Jahren entdeckt. Dazu gehört Sport in allen Variationen (Tauchen, Klettern, eigenes Körpergewicht), abwechslungsreiche Ernährung und viel Spaß dazu!

Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.