Laufen: Weg mit den Einlagen

laufen ohne Einlagen

Hersteller, viele Laufexperten und ebenso viele Ärzte empfehlen eine besonders gute Dämpfung und am besten gleich Einlagen, um die Stoßbelastungen beim Laufen abzupuffern. Besonders in den letzten Jahren grassiert der Handel mit orthopädischen Einlagen. Sie sollen Senk-, Knick- und Spreizfuß kurieren und unseren geplagten Rücken richten. Aber ist dem tatsächlich so?

Nie mehr Fehlstellungen und Laufverletzungen?

Die Statistik spricht klar dagegen. Seit Erfindung der gedämpften Laufschuhe – und das ist gar nicht so lange her – vervielfachten sich die Laufverletzungen. Kniearthrosen haben sich in den letzten 100 Jahren sogar verdoppelt, wie eine Studie der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften herausfand. Schuld ist aber nicht unser steigendes Alter oder Gewicht, nein, sondern Bewegungsmangel und falsches Schuhwerk.
Bewegungsmangel kann man den meisten Läufern sicher nicht vorwerfen, aber es macht auf alle Fälle Sinn, einen genaueren Blick auf das Schuhwerk zu werfen. Im Artikel “Gute Laufschuhe finden” habe ich dir bereits viele Tipps an die Hand gegeben, wie du zu dem für dich passenden Schuh kommst. Jetzt tauchen wir noch etwas tiefer in die Materie ein.

Für viele gilt die orthopädische Schuheinlage als Allheilmittel für jedes Fußproblem. Sie soll den Fuß stabilisieren, ihn in die richtige Stellung bringen, damit sich der Fuß langfristig daran anpasst.

Fußmuskulatur stärken

Was Ärzte, die im Alltagsstress gefangen sind, und vor allem die Schuster, die damit fette Kohle machen, nicht erwähnen, ist, dass sie die ohnehin schon geschwächte Fußmuskulatur noch mehr schwächen. Die Einlage übernimmt nämlich eine schützende Funktion, sie nimmt den Muskeln die Arbeit ab, sodass diese verkümmern.

Wirklich nachhaltig ist das nicht. Vor allem trägt kaum jemand seine verordneten Einlagen durchgehend. Spätestens im Sommer mit dem Wechsel auf Sandalen fällt die Einlage weg. Im besten Fall bleibt dein Fußproblem auf dem Status Quo, im schlechtesten Fall holst du dir eine ernste Verletzung. Das größte Problem an Einlagen liegt aus meiner Sicht darin, dass sie nur auf den passiven Bewegungsapparat einwirken. Sie formen deine Knochen und bilden ein Fußgewölbe aus, das deine Fußmuskeln nicht halten können. Vergisst du einmal deine Einlagen zu tragen, könnte dein Fußgewölbe nachgeben und du einen Überlastungsbruch erleiden.

Keine Beschwerden – keine Einlagen

Hans Henning Wetz, Leiter der Klinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation in Münster, hat es auf den Punkt gebracht: “Es gibt eine klare Regel: keine Beschwerden – keine Einlagen”. Damit wärst du schon mal auf der sicheren Seite, wenn dir ein überbemühtes Verkaufsgenie Einlagen andrehen will.

Du wirst jetzt vielleicht einwenden, dass es mittlerweile sensomotorische Einlagen gibt, die die Fußmuskulatur stimulieren sollen. Dass diese wirken ist allerdings unbewiesen. Hans Henning Wetz bezieht auch zu diesem Thema klar Stellung: Nach einer wissenschaftlichen Studie, die einen Einfluss der sensomotorischen Einlagen auf die Haltung und Statik der Probanden nachweisen, sucht man vergeblich. Er ist sich sicher, dass eine positive Empfindung des Patienten auf einen Placeboeffekt zurückzuführen ist.

Ursache für Beschwerden bekämpfen

Ich als Trainerin halte nichts von mittel- und langfristigen Symptombehandlungen. Für mich steht immer die Ursache im Vordergrund. Die ist bei den meisten Fußproblemen die fehlende Muskulatur, bzw. eine muskuläre Dysbalance. Mein Mittel der Wahl sind kräftigende Fuß- und Beinübungen – und die wirklich passenden Laufschuhe.

Also, wenn dir Arzt, Physiotherapeut oder sonst wer Einlagen einreden will, ohne dein Gangbild – vor allem barfuß – analysiert hat, hinterfrage dies unbedingt und hole dir mehrere Meinungen ein.

Anna
Anna

Anna Urbas ist Personal Trainerin und Trainerin für ganzheitliche Gesundheit. Sie verbindet in ihren Trainings Körper und Geist. Mit Meditation und Achtsamkeit, natürlicher Bewegung und intuitiver Ernährung hilft sie in ihrer Praxis Urvertrauen, Frauen dabei die beste Version ihrer selbst zu werden.

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