Flossing – Der Wickel aus der Physiotherapie

Physiotherapeuten entwickeln immer neue Methoden, die den Patienten Linderung verschaffen und vor allem nachhaltig helfen. Eine dieser neuen Methoden ist das Flossing.
Immer öfter kommt es in der Rehabilitation und in der Physiotherapie zum Einsatz, aber auch Gesunde profitieren sehr davon.
Was genau verbirgt sich dahinter und wie wirkt es?

Flossing – fester Wickel mit großer Wirkung

Flossing beruht auf dem Prinzip der Kompression zur Mobilisierung. Das heißt, ein spezielles Gummiband wird mit viel Druck um ein Gelenk oder einen Körperteil gewickelt. Das Gewebe wird regelrecht abgeschnürt. Sitzt der Wickel, bewegt man den abgeschnürten Bereich möglichst aktiv, mit eigener Kraft, oder passiv, mit Hilfe eines Therapeuten. So lösen sich Ablagerungen und vor allem tief liegende Verspannungen.
Bei Gelenken bewirkt der breitflächige Schereffekt, der beim Flossing entsteht, eine Wiederherstellung der Gleitfähigkeit des Gelenks. So kann der volle Bewegungsumfang des Gelenks wiedererlangt werden.

Wie beim Faszienrollen macht man sich auch beim Flossing den Schwammeffekt zu nutze. Im Gegensatz zum Faszientraining mit einer Rolle jedoch, wird das betroffene Gewebe rundherum behandelt. Nimmt man das Band wieder ab, wird dieser Bereich verstärkt durchblutet und mit Nährstoffen versorgt. Lymphflüssigkeit wird abtransportiert – Flossing lindert auch Schwellungen.

Wirkungsweisen

Schwammeffekt

Beim Anlegen des Flossingbands wird die Blutzufuhr unterbunden. Nach dem Lösen saugt das Gewebe regelrecht nährstoffreiche Flüssigkeit auf. Das Gewebe wird kräftig durchgespült, Ablagerungen und Schadstoffe abtransportiert und die Erneuerung der Zellen angeregt.

Subkutane Irritation

Besteht in einem Teil des Körpers ein Schmerz, hilft es, wenn man den Bereich reizt. So wird der Schmerz abgeschwächt und überlagert. Die Nervenzellen stürzen sich förmlich auf den neuen Reiz und “vergessen” auf den alten. Wenn du dir zum Beispiel den Ellbogen anschlägst, greifst du reflexartig hin und reibst ihn. Unbewusst setzen wir so subkutane Irritation ein, um den Schmerz im Ellbogen zu lindern.

Lösen von tiefliegenden Verklebungen

Tiefliegende Verklebungen sitzen im Fasziengewebe. Sie wirken beeinträchtigend auf Muskeln, Sehnen und Bänder ein. Beim Flossing wirkt enormer Druck auf das Gewebe ein. Durch die zusätzliche Bewegung der behandelten Körperstelle wird das Fasziengewebe zusätzlich auseinandergezogen. Die Verklebung löst sich.

Anwendung

Wickeln musst du immer zum Herzen hin, beginnend knapp unterhalb der betroffenen Stelle, bis knapp oberhalb. Bei Narben und Gelenken wickelst du unter- und oberhalb der zu behandelnden Stelle mit 50% Banddehnung, im zentralen Bereich mit 75%. Das ist nicht zu unterschätzen und erfordert ein bisschen Übung. Meistens legt man sich bei den ersten Versuchen das Flossingband zu locker an.

Sitzt der Wickel, massiert der Therapeut die Stelle. Hast du dich selbst geflosst, darf du auch selber massieren. Bei Gelenken bewegt der Therapeut auch das Gelenk ohne, dass der Patient mithilft. Das kriegst du auch alleine hin, wenn gleich es sich nicht ganz einfach gestaltet.
Anschließend bewegt der Patient die Stelle eigenständig sanft. Bei einem Flossing des Knies könnte das zum Beispiel Kreisen der Knie und lockeres Auf- und Abgehen sein.
Im letzten Schritt verstärkst du die Bewegung, zum Beispiel mit Kniebeugen bei einem Knie-Flossing, oder Liegestütz bei einem Ellbogen-Flossing.

Die Behandlung dauert etwa ein bis drei Minuten, dann solltest du das Flossingband lösen.
Verspürst du während des Flossings ein Taubheitsgefühl, oder wird die Extremität leichenblass, musst du den Wickel sofort abnehmen. In dem Fall war das Flossing zu fest.

Noch mal zusammengefasst:

  • Dauer 1-3 Minuten
  • Banddehnung im zentralen Bereich 75%
  • Wickelrichtung zum Herzen hin
  • Passive Bewegung & Aktive Bewegung der zu behandelnden Stelle

Flossing bei akuten Verletzungen

Auch bei akuten Verletzungen, wie Verstauchungen, Muskelfaserrissen, bei Problemen an Sehnen und Bändern, wirkt sich Flossing sehr positiv auf die Heilung aus. Voraussetzung ist, dass die Haut intakt ist.

Bei Schwellungen sollte die Banddehnung auch im zentralen Bereich der zu behandelnden Stelle 50% betragen. Geflosst wird so oft, bis die Schwellung weg ist, d.h., in mehreren Durchgängen. Zwischen jedem Durchgang braucht das Gewebe eine zumindest einminütige Pause.

Ausschlussgründe für Flossing

Auch wenn Flossing wie ein Wundermittel gegen so ziemlich jedes körperliche Wehwehchen klingt, gibt es Situationen, in denen du es nicht anwenden solltest:

  • Hautkrankheiten
  • Offene Wunden
  • Arterielle Verschlusskrankheit
  • Herzinsuffizienz
  • Tumore
  • bakterielle Infektion

Flossingband

Spezielle Flossingbänder gibt es extra zu kaufen. Du kannst dir dein Band allerdings auch selber basteln: die Innenschläuche von Fahrradreifen weisen dieselbe Dehnfähigkeit auf.
Für das DIY-Flossingband schneidest du einen Innenschlauch zuerst in der Mitte durch und dann längs einmal rundherum. Danach reinigst du das Gummiband mit lauwarmem Wasser und Seife. Nach dem Trocknen bestäubst du das Band mit Babypuder, um den Gummi vor Schweiß und Hautfett zu schützen. So bleibt dein Band lange elastisch.

Einsatzbereiche

Flossing setzt du dann ein, wenn du Schmerzen in einem Körperteil verspürst – auch chronische Schmerzen, oder deine Bewegung eingeschränkt ist. Aber auch nach einem harten Training hilft es und verbessert stark deine Regeneration.

Anna
Anna

Anna Urbas ist Personal Trainerin und Trainerin für ganzheitliche Gesundheit. Sie verbindet in ihren Trainings Körper und Geist. Mit Meditation und Achtsamkeit, natürlicher Bewegung und intuitiver Ernährung hilft sie in ihrer Praxis Urvertrauen, Frauen dabei die beste Version ihrer selbst zu werden.

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